Die Blutegeltherapie gehört zu den Ausleitungsverfahren und hat in den vergangenen Jahren eine Renaissance in der
medizinischen Versorgung erlebt. In vielen Kulturen wurden und werden Blutegel in der Medizin eingesetzt. In Europa
kam diese Heilmethode Mitte des 20. Jahrhunderts aus der Mode.
Ein Blutegel ist ein etwa fünf Zentimeter langes wurmartiges Tier, das sich von Blut ernährt. Wird es in der Humanmedizin
verwendet, sind die Egel in der Regel gereinigt. Doch auch in der freien Natur bevorzugen die Tierchen eine saubere
Umgebung und siedeln bevorzugt in sauberen Gewässern. Auch bei der Blutaufnahme sind sie sehr reinlich und säubern die
Bissstelle. Eine „Mahlzeit“ reicht dem Blutegel für etwa ein bis zwei Jahre.
Die Wirkung der Blutegel beruht auf dem Reiz, den der Biss des Tieres auslöst sowie den dabei abgegebenen Wirkstoffen
und Bakterien und der Nachblutung. Während des Bisses sondert der Egel Hirudin ab, welches die Blutgerinnung hemmt.
Das Tier saugt etwa zehn Milliliter Blut und es bluten etwa 50 Milliliter nach. Neben Hirudin beinhaltet der
Speichel des Blutegels auch Calin. Es hemmt ebenfalls die Blutgerinnung und verursacht die Reinigung der Wunde
durch Nachblutung.
Die Zahl der Blutegel einer Therapiesitzung richtet sich nach dem Zustand des Patienten und seiner Körperstatur.
Außerdem spielen die Größe der Egel, ihr Hungerzustand sowie die beabsichtigte Häufigkeit der Behandlung eine Rolle.
Auch die Länge der Sitzung hängt ganz von den tierischen Helfern ab. Wenn sie sich voll gesogen haben, fallen sie
von allein ab. Von einer gewaltsamen Entfernung ist dringend abzuraten.
Anwendungsgebiete
Blutegel werden oft in der Plastischen Chirurgie eingesetzt, hauptsächlich nach Replantationen Ohren, Fingern, Zehen
oder Haut. Auch in der Unfallchirurgie sind sie bei der Wiederherstellung der Durchblutung nach Haut- und
Gliedmaßenverletzungen als Therapieform zu finden. Hier können Blutegel die Abstoßung und das Absterben der
transplantierten Gliedmaßen und Körperteile verhindern. Darüber hinaus verwendet man Blutegel bei Venenentzündungen
mit Thrombosen, rheumatischen Entzündungen, Gichtanfällen, Stauungen in den Venen und Lymphgefäßen sowie bei Arthrosen.
Gegenanzeigen
Wichtige Gegenanzeigen gegen die Blutegeltherapie sind Bluterkrankungen, Krampfaderknoten, Gerinnungsstörungen des
Blutes sowie Hauterkrankungen an den zu behandelnden Stellen. Wer unter Blutarmut, niedrigem Blutdruck oder schwachem
Kreislauf leidet, sollte ebenso wie Schwangere und stillende Mütter besser auf die Blutegel verzichten.